Am Anfang war das Jucken
Oder die Legende von Ynnor
Kommt näher heran ans Feuer, Fremder,
setzt euch, nehmt eine Schmorrübe und höret die Sage vom Riesen Ynnor, der unsere Welt erschuf.
Es heißt, Ynnor stamme aus dem weit entfernten Saxheim, der Welt der Riesen und der Katzen-Musik. Er war ein ziemlicher Halodri, dieser Ynnor, und immer wieder vernachlässigte er seine Pflichten als Halbgott.
So geschah es, dass er zum wiederholten Male das große Klatsch-Fest verpasste, was schließlich zu seiner endgültigen Verbannung führte.
Statt sich, wie es guter Brauch unter den Titanen war, über Jahrhunderte hinweg gegenseitig auf die Birne zu hauen, schlief er.
Er schlief und schnarchte seelenruhig, voll bis obenhin von zuviel Güllebier, auf einem großen Berg Stinkrüben.
Ein unverzeihliches Vergehen gegen dieses heilige Ritual, wie alle Giganten befanden.
Also wurde er zur Strafe vor die Häemoriten geschliffen, boshafte Geisterwesen in Gestalt dreier greiser Weiber ohne Augenlicht. Ihre Spezialität war es, die Zukunft in den Sternen zu lesen, Flüche zu verhängen und Mittag für die Riesen zu kochen.
So belegten sie Ynnor auch mit einem besonders unbarmherzigen Fluch: ewiges Brennen und Jucken am Rektum, bis er „einen Sitz fände, der ihm magische Linderung verschaffe“.
Ausgestoßen von seinem Leuten zog Ynnor Jahrhunderte rastlos umher, bis er sich schließlich aus schierer Verzweiflung und Langerweile hinab auf die Welt der Menschen stürzte.
Dort schlug er hart im heutigen Schmerzgebirge auf und tat, was nur Rektal-Verzweifelte und Hunde auf Teppichen tun: Er setzte sich und rieb seinen Hintern.
Wo immer er sich kratzte, senkten sich Täler. Wo er die Zähne zusammenbiss, hallte Donner, und Berge stießen empor. Da, wo er schnaubte, brachen Quellen aus dem Gestein.
Ynnors strömende Tränen wuschen das Sandgestein des heutigen Jammertals davon. Sein klebriger Schweiß floß in die Sümpfe der Großen Seiche.
Dort wo sein größter Pickel platzte, zwischen Zwick und Au erhob sich ein Vulkan - Berg Stinkhorn.
Dieser wird bis zum heutigen Tag als letzte aktive Lava-Müllhalde, sowie als Austragungstätte für das allseitsbeliebte "der Boden ist Lava" genutzt.
Ein heiteres Fest (jedenfalls für die Zuschauer) das Lust auf Güllebier und Schmorrüben macht.
Wo war ich noch gleich? Ach ja bei Rüben. Seine Wegzehrung, Kraut und Rüben, fiel ihm beim energetischen rubbeln aus den Taschen, verteilte sich überall hin und machte so das Land fruchtbar.
Das noch junge Volk der Menschen aufgeschreckt vom Lärm kroch aus seinen Höhlen. Ungläubig beobachteten und rochen sie, wie diese Ur-Gewalt in wilder, juckender Raserei die Welt um sie herum verformte.
Man sagt: Aus Unwissenheit entsteht Angst. Dieses Völkchen war sehr ängstlich. Um der Zerstörung Einhalt zu gebieten, versammelten sich darum die Stammesältesten und taten, was schlaue Leute immer tun, wenn es gefährlich wird … sie schickten andere, nicht so schlaue.
In der Regel sind dies junge Menschen. So auch in unserem Fall. Darum fiel die Wahl auf Alberich und Erika, zwei unglücklich ineinander verliebte (ehrlich gesagt auch nicht ganz so helle) Jugendliche.
Man schickte sie also aus, um den Riesen zum Einlenken zu bewegen oder wenigstens als traditionelle Opfergabe zu dienen, je nachdem, wie sich die Situation später entwickeln sollte.
Soviel sei verraten: Sie wurden nicht gefressen. Vielmehr konnten sie sein offensichtliches Leiden etwas lindern, indem ihm Erika von einem Fels aus liebliche Schlaflieder ins Ohr plärrte. Alberich unterdessen machte sich auf, in einem geradezu unmenschlichen Akt die verkrusteten, jukenden Schwefelexzeme aus den tiefen "Stollen der Nimmersonne" abzubauen. Was wohl eine epochale Formulierung für Hintern darstellen soll.
Mit dem Versprechen, dies mit jeder weiteren Generation fortzuführen, entließ der Gigant beide. So kehrten sie geschunden, aber glücklich nach Hause zurück, töteten alle Ältesten und gründeten die erste Kommune, aus welcher sie allerdings später wieder rausgeworfen wurden. Im Großen und Ganzen endete die Story also nicht ganz so optimal für beide. Aber das ist eine andere Geschichte und wird ausführlich im heiligen Buch von Orr & Nee behandelt.
Jedenfalls, zu Ehren des schlummernden Giganten unter der Erde, oder eher aus Angst vor ihm, gelobten die Menschen, das Land fortan Saxonien® zu nennen. Übersetzt bedeutet das in etwa: „Ynnor, der auf’m Sack gekrischt hat … un irschendewas mit Zwiebeln.“
So ruht Ynnor noch heute, zusammengerollt, und schläft eingelullt tief unter userem Land. Wenn du also genau hinsiehst, kannst du ihn wahrscheinlich in der unverwechselbaren Form Saxoniens wiedererkennen.
Und immer dann wenn Berg Stinkhorn rumpelt, so sagt man, dreht sich der alte Ynnor nur auf seine andere Backe.